Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern
e. V.
Kurzbeschreibung des Vereins
In
Mitteleuropa kommen ca. 110 verschiedene Ameisenarten vor; einige Arten finden wir
ausschließlich in Waldregionen – die in den auffälligen Hügelnestern lebenden
Waldameisen. Lange vor den Waldschäden wurde bereits der alarmierende Rückgang
der Waldameisenbestände beobachtet, der z.T. auch auf Luftschadstoffe
zurückgeführt wird, die auf die Insektenwelt ganz allgemein schädigenden
Einfluss haben. Der Bestandsrückgang,
in den letzten 50 Jahren etwa 50%, hat darüber hinaus weitere vielfältige
Ursachen: Beschädigungen der Hügelnester bei forstlichen Arbeiten, durch
unvernünftige Waldbesucher, durch Rodungen, Baumaßnahmen aller Art, Absammeln
der Ameisenpuppen, Grundwasserveränderungen, Anwendung von Insektiziden, Einsatz staubförmiger Düngemittel im Wald
während der Vegetationszeit. Die Ameisenschutzwarte hat zum Ziel, den weiteren
Rückgang der Waldameisenbestände und –arten aufzuhalten, sie zu schützen, zu
fördern und ihre natürliche Vermehrung zu unterstützen. Sie tut dies durch
Bestandskartierungen, Bestandsüberwachung, Forschung, Information, direkte
Schutz- und Hegemaßnahmen und durch Hinwirkung auf den Erhalt der Lebensräume
der Waldameisen.
Bedeutung der
Waldameisen für den Wald
v Sie regulieren in ihrem Jagdbereich die
gesamte Insektenwelt und verhindern so die Übervermehrung einzelner,
insbesondere pflanzenfressender Arten (Baumschädlinge); bis zu 100.000 Insekten
der verschiedenen Entwicklungsstufen kann ein starkes Waldameisenvolk an einem
warmen Sommertag erbeuten.
v Sie verschleppen die Samen vieler
Pflanzenarten, bewirken so deren Ausbreitung und steigern dadurch die Artenvielfalt
der Waldflora.
v Sie arbeiten in den Nestbereichen den
Waldboden durch; lockern, durchlüften ihn, reichern ihn mit Humus an und
steigern so seine Wasserhaltekraft und Fruchtbarkeit - bis zu 100 kg
Mineralboden fördert ein starkes Volk pro Jahr an die Erdoberfläche.
v Sie beschützen und hüten viele Arten von
den auf Bäumen und Sträuchern lebenden Rinden- und Schildläusen (Lachniden, Lecanien etc.), deren
zuckerhaltige Ausscheidungen (Honigtau) eine wesentliche Nahrungsgrundlage für
die Ameisen selbst und für ca. 200 andere Waldinsekten-Arten (Schlupfwespen,
Raupenfliegen, soziale Wespen usw.) sind. Honigtau, den die Waldameisen nicht
von den Rindenläusen direkt abnehmen, spritzen diese fort; er liegt dann als
klare
Tröpfchen auf Blättern bzw. Nadeln und
dient z.B. den Honigbienen als Grundstoff zur Produktion des Waldhonigs!
Bestimmte Lachniden-Arten gibt
v Waldameisen und deren Brut sind eine
wichtige Nahrungsquelle für verschiedene andere Waldbewohner: Kleinvögel,
verschiedene Spechtarten und Waldhühner wie z.B. Auerhuhn und Haselhuhn, deren
Küken während der ersten 4 Lebenswochen auf Ameisenpuppen und Ameisen
angewiesen sind.
v Lachniden und deren Winter-Eigelege
wiederum bilden eine energiereiche Nahrungsquelle für verschiedene bei uns
überwinternde kleine Waldvogelarten.
Aus
dem Leben der Waldameisen
In Deutschland kommen 9 Hügelnester
bauende Waldameisenarten vor; allesamt gehören sie nach Bundesnaturschutzgesetz
und Bundesartenschutzverordnung zu den „besonders geschützten Tierarten stehen
also unter Naturschutz! Sie gehören zu den staatenbildenden, also sozialen
Insekten und zur Gruppe der Hautflügler. Es gibt monogyne Arten, deren Völker mit nur 1 Königin in Einzelnestern leben,
und es gibt polygyne Arten, die mit mehreren Hundert oder Tausend Königinnen
pro Volk in Nestverbänden/Kolonien leben.
In allen Waldameisenvölkern herrscht
Arbeitsteilung;
Königinnen besorgen ausschließlich das
Eierlegen; die Arbeiterinnen verrichten alle anderen nötigen Arbeiten wie z.B.
Herbeischaffen von Nahrung (Insekten und Honigtau); Bau, Reinhaltung und
Verteidigung des Nestes; Fütterung der Nestgenossinnen; Fütterung und Pflege
der Königin/nen und des Nachwuchses. Ameisen sind sehr langlebig: Arbeiterinnen
können bis zu 6 Jahre, Königinnen über 20 Jahre alt werden.; lediglich die
Männchen haben ein kurzes Leben, sie
sterben wenige Wochen nach ihrer „Geburt“ bald nach der Begattung der
Jungköniginnen. Von November bis Februar halten die Waldameisen im Bodenbereich
des Nestes Winterruhe, in dieser Phase wirken sich Beschädigungen des Nesthügels besonders negativ, meist
sogar tödlich für ein Ameisenvolk aus;
je kleiner/jünger ein Volk noch
ist, umso stärker ist der schädigende Einfluss solcher Störungen und
Beschädigungen.
Schutz
von Waldameisen
Naturschutzgesetze von Bund und Ländern sowie
die Bundesartenschutzverordnung verbieten das Fangen und Verletzen dieser
Insekten und das Beschädigen oder Wegnehmen ihrer Nester. Für Eingriffe in
Waldameisenvölker bzw. -nester bedarf es neben gründlicher Fachkunde vor allem
einer speziellen Ausnahmegenehmigung
der Höheren Naturschutzbehörde (Bezirksregierung) - dies gilt schon für
den direkten Schutz der Nester mit Schutzgestellen oder natürlichen Materialien. Meist helfen schon Markierungen
der Nester oder die Auspflockung der Nestbereiche mit Rundhölzern, Störungen
oder Beschädigungen zu vermeiden - die Nester sind so insbesondere im Winter
bei Schneelage besser kenntlich, so dass bei Arbeiten im Wald Rücksicht
genommen werden kann. Besonders wichtig ist, dass Völker, die durch
Baumaßnahmen irgendeiner Art bedroht sind, durch Umsiedlung gerettet
werden können und auch gerettet werden!
Derartige Rettungsumsiedlungen werden in der Zeit März - Juli (je eher desto
besser) durchgeführt, sind nur mit o.a. Ausnahmegenehmigung erlaubt und
erfordern ein hohes Maß an Fachkunde und Erfahrung; der Laie sollte gefährdete
Völker/Nester dem nächsten Fachmann oder der Naturschutzbehörde melden
(Landratsamt oder Bezirksregierung).
Die “Ameisenschutzwarte
Landesverband Bayern e.V.“
ist ein gemeinnütziger Verband, der sich
für die Erhaltung der in ihrem Fortbestand bedrohten und gefährdeten Ameisen,
insbesondere der Waldameisen einsetzt. Alle Mitglieder sind ehrenamtlich tätig
und brauchen daher Hilfe und Unterstützung aller an Natur- und Artenschutz interessierten Menschen. In fast jedem
Bundesland besteht eine Ameisenschutzwarte; auf Bundesebene haben die
Landes-Verbände sich in einer
Dachorganisation mit Namen „Deutsche
Ameisenschutzwarte e.V.“ (DASW)
zusammen geschlossen.
Wesentliche
Arbeitsziele des Verbandes
sind
- Erfassung, Artbestimmung, Kartierung, Pflege und Überwachung der
noch in unseren Wäldern vorhandenen Waldameisenbestände,
- Sicherung der Bestände durch biologisch zweckmäßige, erprobte und
der örtlichen Situation angemessene Schutzmaßnahmen,
- Rettungsumsiedlung von Waldameisenvölkern, die an ihrem
jeweiligen Standort in ihrer Existenz bedroht sind z.B. durch Waldwegebau,
Straßenbau, Bahnstrecken-Neubau, Waldrodung sowie sonstige forstliche oder
bauliche Planungen und Maßnahmen,
- Öffentlichkeitsarbeit zur Aufklärung unserer Mitbürger und
amtlicher Stellen über Waldameisen und deren ökologische Bedeutung für
ihren/unseren Lebensraum, und
-
vor allem
gründliche Schulung der Verbandsmitglieder in Biologie und Artenkenntnis der
Ameisenarten und deren Wechselbeziehungen in ihren Lebensräumen sowie in
artgerechtem und schonendem Umgang mit
dieser Insektengruppe - nicht zu vergessen die natur- und artenschutzrechtlichen
Bestimmungen.
Die
Ameisenschutzwarte Landesverband Bayern e.V. braucht auch Ihre Hilfe!
Helfen Sie mit, werden Sie Mitglied!
Wenden
Sie sich bitte an folgende Adresse:
Kontaktadressen für Ameisenschutz u. Ameisenprobleme:
Tel: 09283-7577
Mail: bucher.w@freenet.de
Hegering Miltenberg
Tel: 09372-6480
Hegering Aschaffenburg
Tel:
06021-47198
E-Mail: Reinhold.Willig@t-online.de
Hegering Landshut
Michael Püls,
Merowingerstr. 17, 84183 Niederviehbach
Tel: 08702-2705
E-Mail: m.puels@gmx.de
Hegering Laufen
Tel: 08682-1765
E-Mail: imker_reiser@web.de
Ameisenhegering Rosenheim
Gerhard Schmidt,
Heubergstraße 13, 83026 Rosenheim
Tel: 08031-44542
E-Mail: schmidt.gerhard@cablenet.de
Ameisenhegering Stockheim/Rhön
Christiane Reuß,
Am Tanzberg 8, 97640 Stockheim
Tel: 09776-9650
E-Mail:
christiane.reuss@gmx.de
Hegering Traunstein
Georg Reithmaier,
Eschenweg 9, 83368 St. Georgen,
Tel: 08669/2650
Vors.
Tel:
09493-2091
E-Mail: WinBissinger@t-online.de
Ameisenschutzverein Tirschenreuth
Vors.
Siegmund Bauschke, Krankenhaus Str. 2, 92681 Erbendorf
Tel:
09682-2987 Fax: 09682-2987
Zuletzt
bearbeitet: 21.01.2011